Startseite > Themen für die Diskussion

Nachdenken über das Notariatswesen

JUDr. Tomáš Oulík 27. 11. 2014

Die neue rechtliche Regelung brachte viele Unklarheiten in der Anwendung der materiell-rechtlichen aber auch prozess-rechtlichen Normen mit sich und hat Auswirkung auf die Gestaltung der Agenda jeder Notarskanzlei. In den Unklarheiten wird sich jeder Notar selbst früher oder eher später Klarheit schaffen oder auch nicht. Eine Unsicherheit erfüllt denjenigen, der seine Kanzlei mit einer langfristigen Perspektive organisieren will. Wenn der Notar ein rein kommerzielles Subjekt wäre, müsste er die Entwicklung des Marktes einschätzen. Das ist er jedoch insbesondere Anbetracht der festgesetzten Preise nicht. Deswegen benötigt er mit Vorlauf Informationen über Alles, was sich auf die Ausübung des Notariatswesens auswirkt und muss insbesondere die Ziele kennen, die sich der Berufsstand der Notare für die Zukunft setzt. Wohin er sich begeben will. Es reicht nicht nur mit einer präventiven Tätigkeit der Bestärkung der Rechtssicherheiten beizutragen.

Jede Änderung sollte am Prestige- und finanziellem Beitrag oder Verlust gemessen werden. Und auch an Kosten. An den durchschnittlichen Kosten jedes einzelnen der 450 Notare für die notwendige technische und personelle Ausstattung, Arbeitsfläche, Löhne, Weiterbildung usw.. Bevor ein Urteil gefällt wird, dass jeder Notar verpflichtet ist in seinem Angebot Apfel für 9,90 CZK pro Kilo zu haben, muss eine fundierte Abschätzung der Nachfrage unter des Herbeiziehens eines Fachmanns erfolgen, der eine vertragliche Verantwortung hat. Wenn ein kleiner Händler nicht wissen wird, weswegen er bestimmte Ware bezieht und anbietet, wird er die Kunden und sich selbst betrügen. Der Pfandregister ist dessen Memento.

Es ist sonnenklar, dass die Notare keine irrwitzige Vorstellungen haben können, dass der Staat sich bei der Lösung der unerschöpflichen Probleme konzeptionsmäßig mit der Stellung der Notare befassen wird. Das obliegt den Notaren und das schließt auch die neue Generation der Notare, Notaranwärter und Konzipienten mit ein. Die Notaranwärter und Konzipienten sind nicht durch den Ballast der komplizierten Bindungen belastet, die Ihre Wurzeln in der Vergangenheit haben. Die neue rechtliche Regelung kommt für sie nicht aus der Transzendenz. Nicht nur ihnen würde die Einführung ihres eigenen Diskussionsforums gut tun, in dem ungeachtet der Grenzen der Notarbezirke die Meinungen gefeilt und die Prioritäten geklärt worden würden, Gedanken über die urkundlichen Produkte und vieleicht auch über den höheren Sinn der Notartätigkeit gemacht worden wären. Damit hängen zwei Fragen zusammen: Wollen es die Jungen? Will es die Notarskammer?

November 2014
JUDr. Tomáš Oulík
Notar